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Kapitel VII: Das Paradies

Ein Publikum aufzubauen braucht seine Zeit. Im Moment reden viele davon einen viralen Hit landen zu wollen. Dabei wird übersehen, dass die wenigsten "Virals" aus dem Nichts entstehen. Bevor JibJab einen Hit landete, sammelten sie in fünf Jahren konstanter Arbeit 130.000 Email Adressen. Jill Sobule produziert seit 1990 ein Album nach dem anderen, Robert Greenwald dreht seit 1977 Filme. Der virale Hit ist zum Ersatz für den "Blockbuster Hit" der alten Medien geworden. Dabei ist das Schöne am Internet, dass man eben keinen Blockbuster Hit kreieren muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Der Verkaufstrichter

Um deine Fangemeinde zu vergrößern, verteilst du Links im Internet zu den kostenlosen Inhalten auf deiner Website. Einige Besucher tragen dort ihre Email-Adresse ein und werden ein Teil deiner Fanliste. Sie lernen dein Werk näher kennen und manche kaufen eine DVD für 12 Euro von dir. Einige finden den Film auf der DVD so toll, dass sie den limitiert erhältlichen Kunstdruck eines Filmbildes für 50 Euro kaufen. Bei der Vorstellung deines neuen Films erstehen sie das Deluxe-Blueray-Bundle für 125 Euro. Dieses gefällt manchen so gut, dass sie bei deinem nächsten Projekt im Abspann stehen wollen. Sie unterstützen dich mit 500 Euro und bekommen tiefe Einblicke in deine Produktionsabläufe während der Entstehung des Films.

Dieser Trichter lässt sich beliebig weiterführen. Am Ende steht - wie im Falle Jill Sobules - vielleicht ein Produkt für 10.000 Euro, dass nur eine einzige Person kauft. Dieses eine Produkt würdest du wahrscheinlich nie verkaufen, wenn du es Fremden anbieten würdest. Die Idee ist, langsam - Stufe für Stufe - an diesen Artikel heranzuführen. Zunächst gibst du etwas, forderst im nächsten Schritt eine kleine, nicht finanzielle Investition und erst, wenn die Interessenten diese zwei Stufen hinauf gegangen sind, bietest du dein günstigstes Produkt an. Jeder Stufe werden weniger Menschen folgen und den letzten Schritt macht vielleicht nur ein einziger Fan.

Die konzentrische Fanbasis

Über Jahre konstanten Schaffens hast du dir im Internet eine kleine Gefolgschaft aufgebaut. Sagen wir, du bist umgeben von 500 Hardcore-Fans. Diese kaufen die Super-Hi-Res-DVD-Box mit Autogramm, obwohl sie schon die Low-Res Version besitzen. Sie warten sehnsüchtig auf deinen nächsten Film, ziehen deine T-Shirts an, besitzen Kunstdrucke und Poster von dir und unterstützen dich finanziell bei der Produktion. Konservativ geschätzt geben sie so jedes Jahr einen Tagessatz ihres Gehalts für deine Werke aus. Nehmen wir an, dieser Betrag läge bei 100 Euro. Zusammen genommen ergeben sich somit 50.000 Euro pro Jahr.

Der innere Kreis von Hardcore-Fans ist wiederum umgeben von einer größeren Anzahl weniger intensiven Fans, die nur manchmal etwas von dir kaufen (meinetwegen eine DVD alle zwei Jahre). Der Kreis weniger starker Fans ist umringt von Leuten, die regelmäßig deine Website besuchen, Emails von dir erhalten und manchmal Feedback während deiner Produktion geben. Außerhalb dieses Kreises befinden sich Menschen, die in gewissen Zeitabständen deine Website besuchen und deine Arbeit mögen. Den äußeren Rand dieser Kreise bilden Partnerwebsites, Leute die deine Produkte verkaufen oder über dich berichten.

Die digitale Revolution ist in vollem Gange und es wird immer neue Technologien, Nischen und Ideen geben, in denen du Fuss fassen kannst. Ich bin überzeugt davon, dass du durch konstanten, wertvollen Output 500 Leute finden kannst, die deine Werke über alles schätzen! Selbst wenn du 1.500 oder 5.000 Hardcore Fans bräuchtest, um jeden Tag warm zu essen, liegt diese Zahl doch immer noch weit unter 1 Million. Das Internet bietet somit einen Weg zwischen Taxifahren und dem unwahrscheinlichen Blockbuster-Hit!

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