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Kapitel IV: Vertiefe eure Beziehung

Der Unterschied zwischen dem Künstler im letzten Jahrhundert und dem im 21. Jahrhundert besteht in seiner Zugänglichkeit. Vor 20 Jahren konnte man allenfalls ein vorgefertigtes Schreiben als Antwort auf einen Fanbrief erwarten. Heute können Künstler und Publikum direkt in Kontakt treten und ein Gespräch beginnen, dass sich über die Jahre ihrer Beziehung mehr und mehr vertieft.

Deine Email-Liste, dein Facebook-Account und andere Kommunikations-kanäle dienen nicht nur dazu über Festivalteilnahmen und neue Produkte zu berichten. Deine Fans werden Fragen haben, dir gratulieren wollen oder Hilfe anbieten. Anfangs wirst du vielleicht jede Email beantworten. Wenn dein Postfach irgendwann überquillt, linkst du zu einem FAQ, um nicht eine Frage zum tausendsten Mal beantworten zu müssen. Manche Künstler antworten hier und da auf Blog Kommentare, andere nehmen regelmäßig einen Video- oder Audio-Podcast auf, in dem sie auf Fragen eingehen.

Was interessiert dein Publikum an deinem Prozess?

Umfragen sind eine gute Methode wertvolles Feedback zu deiner Arbeit zu bekommen. Finde heraus, was für Fragen das Publikum zu deinen Arbeitsmethoden hat. Beantworte sie in einem Video. Du wirst merken, dass dein Schaffen mindestens ebenso viele interessante Aspekte birgt, wie das fertige Produkt. Eine Gemeinsamkeit unter Menschen, die sich online eine große Gefolgschaft aufgebaut haben, ist, dass sie freizügig ihr Wissen teilen. Einige deiner Fans wollen genau das machen was du machst. Lass sie an deinem künstlerischen Prozess teilhaben! Lehrmaterial zieht ein großes Publikum im Internet an, da es einen direkten Nutzen für den Zuschauer hat.

Schaffe Beteiligungsmöglichkeiten

Übernimm das Konzept von Beta-Versionen bei der Software-Entwicklung: "Veröffentliche früh und oft!". Binde deine engsten Fans in die Entwicklung deines neuesten Films ein. Frühes Feedback zu Character- Designs, dem Animatic oder dem Schnitt kann deinen Film bereichern. Oder du nimmst ihre Hilfe mehr in Anspruch und veranstaltest einen Wettbewerb für das beste Character-Design, dass du dann für deinen Film benutzt. Diese tiefgreifende Mitarbeit des Publikums ist nicht jedermanns Sache. Es lohnt sich allerdings über Möglichkeiten der Beteiligung nachzudenken, da nichts eine Beziehung so intensiviert wie eine enge Zusammenarbeit. Sie zeigt deinen Respekt und gibt deinen Fans die Chance etwas zu lernen und Anerkennung zu bekommen.

Manchmal weist das Publikum dich auch selbst darauf hin, wie es beteiligt werden möchte. Als die Band OkGo einen Youtube Hit mit einem kunstvoll choreographierten Musikvideo landete, schickten Fans ihnen Videos zu, in denen sie den Tanz nachahmten. Die Band veranstaltete einen Wettbewerb auf ihrer Website und ließ die Gewinner auf ein Konzert einfliegen. Dort tanzten sie gemeinsam mit ihnen auf der Bühne.

Der Filmemacher Richard Linklater lud seine Fans dazu ein, ihre eigene Version eines Trailers zu schneiden. Der Dokumentarfilmer Brett Gaylor stellte sein ungeschnittenes Material zur Verfügung und forderte die Leute auf Remixes seines Films zu erstellen. Beide Ansätze führten dazu, dass viele unterschiedliche Versionen der Filme sich online verbreiteten. Steht dir kein Millionen Dollar Etat zur Verfügung, kannst du deine Sichtbarkeit exponentiell steigern, wenn du das Publikum zu deinem PR-Agenten machst.

Führ ein Thema weiter aus

Nicht nur der Prozess des Filmemachens ist interessant, sondern auch deine Ideenwelt. Interessierst du dich für ein Thema über die Entwicklung deiner Filmidee hinaus, kannst du weiterführende Links anbieten, Rezensionen zu verwandter Lektüre verfassen, ein Forum für Diskussionen bereitstellen und Umfragen gestalten. Dein Film gewinnt an Wert, wenn er in eine vitale Umgebung eingebettet ist. Du findest sicherlich Foren, Blogs und Websites, die das Thema behandeln. Hier verkehrt dein Zielpublikum. Dein Film ist vielleicht eine Bereicherung für die Diskussion auf diesen Plattformen und hilft dir ein neues Publikum zu erschließen.

Der Dokumentarfilmer Robert Greenwald hat seine Online-Fangemeinde durch eine Partnerschaft mit der demokratischen Aktivistenplattform MoveOn.org gesammelt. Als er 2004 einen Film über den Irakkrieg herausbrachte, ließ MoveOn.org seine Mitglieder von der Veröffentlichung wissen, bot DVDs zum Verkauf an und rief dazu auf Privatvorführungen zu organisieren. Greenwald rechnete damit 2.000 DVDs zu verkaufen, am Ende waren es 120.000 Stück.

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