Einleitung: Taxifahren oder Industrievisualisierung
Spätestens wenn Mama und Papa den Geldhahn zudrehen, fragt sich sogar
der Langzeitfilmstudent mal wie es weiter gehen soll: Taxifahren, Kellnern
oder im Call-Center arbeiten und nebenher Filme machen? Vielleicht waehlt
er auch nicht die Minimallösung, sondern arbeitet bei professionellen
Fernseh- oder Kinoproduktionen mit. Fuer die wenigsten jungen
Filmemacher gibt es jedoch die Perspektive mit dem was sie am liebsten
tun - eigene Filme realisieren - ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Unabhängige Filmemacher können ihre Filme meist nur mit Hilfe staatlicher
Filmförderung finanzieren. Die Filme durchlaufen einen ein- bis
dreijaehrigen Festivalzyklus, gewinnen mit etwas Glück einen Preis und
verschwinden dann im Nichts. Ein solches Projekt bietet meist keinen
finanziellen Vorteil, daher sind die Filmemacher darauf angewiesen ihren
Unterhalt anders zu erwirtschaften.
Was hat die traditionelle Filmbranche zu bieten?
In der traditionellen Trickfilmbranche gibt es unter Anderem die Möglichkeit
eine (Kinder -) Serie an das Fernsehen zu verkaufen, Werbeclips oder
Industrievisualisierungen zu erstellen. Die meisten Filmemacher arbeiten
als Freelancer und verdienen ihr Geld als Animatoren und Techniker in
etablierten Firmen. Eine Kinderserie tatsächlich an das Fernsehen zu
verkaufen, setzt neben einem unterhaltsamen Konzept und jahrelanger
Erfahrung eine professionelle Produktionsumgebung voraus. Es erfordert
viel Zeit und Geld, jede Menge Bekanntschaften und bietet von den oben
genannten Möglichkeiten noch die meiste künstlerische Freiheit.
In den letzten zwanzig Jahren wurde die traditionelle Filmbranche, so wie
die gesamte Wirtschaft, von der Entwicklung und Ausbreitung des Internets
bedroht. Der CD und DVD Verkauf sinkt und die Menschen gehen nicht
mehr so oft ins Kino. Des Weiteren machen Youtube und Co. dem
Fernsehen ernst zunehmende Konkurrenz. Die alten Machthaber - grosse
Filmstudios - stecken weniger Energie in die Förderung neuer Talente, so
dass es jungen Filmemachern schwer fällt dort Fuss zu fassen.
Die digitale Revolution
Die wenigsten Filmemacher sehen das Internet als wirkliche Alternative.
Dort herrscht eine schier unübersichtliche Vielfalt und Konkurrenz.Vieles ist
entweder kostenlos erhältlich oder gestohlen und Urheberrechte sind ausser
Kraft gesetzt. Tatsächlich funktioniert das Internet wie eine grosse
Kopiermaschine. Bringt man etwas Kopierbares mit ihm in Kontakt, kann
man mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, dass es kopiert werden wird.
Auf der anderen Seite bedroht das digitale Zeitalter nicht nur die alten
Machthaber, es hat auch eine Demokratisierung des künstlerischen Prozesses
herbeigeführt.
Digitale Werkzeuge ermöglichen heute eine günstige und schnelle
Produktionsweise. Die Vernetzung der Welt macht Kollaborationen über
Sprachbarrieren und kulturelle Grenzen hinweg möglich. Redakteure und
Vertriebsfirmen werden obsolet. Der Filmemacher kann direkt mit seinem
Publikum kommunizieren und seine Ideen mit Lichtgeschwindigkeit
verbreiten. Mit der richtigen Präsentation wird die Lebenszeit eines Werkes
um ein Vielfaches des Festivalzyklus verlängert.
In den letzten zwei Jahren meines Studiums hat mich das Internet als
potentielles finanzielles Standbein, neben Auftragsarbeiten und Studiojobs,
immer mehr in seinen Bann gezogen. Neben der Möglichkeit ein eigenes
Publikum aufzubauen und von Projekt zu Projekt zu vergrössern, interessiert
mich besonders, wie man diese Beziehung zu einem funktionierenden
Geschäftsmodell ausbauen kann. Wie finden Autoren, Blogger, Musiker,
Flash-Spiele-Entwickler und Internet-Marketing-Experten ihr Publikum im
Internet? Wie verdienen sie ihr Geld online? Kann man ihre Geschäftsideen
auf Filmemacher übertragen? Und wie viele "Fans" braucht man eigentlich
um sein Leben zu finanzieren?